Wölfersheimer See ist nicht normal

17.07.2014



Am kommenden Wochenende werden bei
gutem Wetter mehrere tausend Menschen ein fröhliches, friedliches und
abwechslungsreiches Fest an „ihrem See“ feiern. Die Vorbereitung laufen auf
Hochtouren. Sorgenvolle Gesichter sah man dennoch kürzlich in der Sitzung des
Bauausschusses der Gemeinde Wölfersheim, als es um den See ging. Nicht etwa,
weil die Ausschussmitglieder sich Sorgen um ein gutes Fest machen würden, sondern weil das deutlich unangenehmere Thema „Wasserqualität“ auf  der
Tagesordnung stand.



Der Gemeindevorstand hat hierzu vom
Fachbüro FLUVALIS ein umfangreiches Gutachten erstellen lassen. Tenor: Der
Wölfersheimer See kann jederzeit einen ökologischen Kollaps mit fatalen Folgen
für Pflanzen und Tiere erleben. Dieses Gutachten wurde nun im Bauausschuss
beraten. Der Gutachter Dipl. Biologe Ingo Kramer war vor Ort um die Ergebnisse
zu erläutern, Fragen zu beantworten und Lösungswege zu diskutieren. Mit seinem
Satz „Der Wölfersheimer See ist nicht normal“ brachte er die anwesenden Zuhörer
zum Schmunzeln und zeigte  gleichzeitig das Dilemma auf: Es gibt keine
Standardlösung aus der Schublade, die man auf den größten Wetterauer See
anwenden könnte. Die Problemlage ist individuell und die Rahmenbedingungen
außerordentlich. Eine echte Herausforderung für die Gemeinde Wölfersheim.



An den Beratungen im Ausschuss
nahmen außerdem Vertreter der Landwirtschaft, des Maschinenrings Wetterau, des
Angelsportvereins Wölfersheim und Umgebung sowie des Hessischen Fischereiverbandes teil. Ein Ergebnis des Gutachtens ist die Tatsache, dass der Einfluss der
Landwirtschaft auf die schlechte Wasserqualität sehr gering ist. Die
Hauptursache liegt ohne Zweifel im Zufluss durch die Kläranlage. Dies sei zwar
von allen Behörden genehmigt, aber hessenweit einzigartig, so Kramer.

Er erläuterte, dass es im Wesentlichen zwei Handlungsfelder gäbe, um eine
erfolgreiche Gewässertherapie durchzuführen. Die Ursachenbeseitigung im Rahmen
einer Sanierung und die Symptombekämpfung im Rahmen einer Restaurierung. Die
Ausschussmitglieder nutzten die rund zweistündige Beratung unter der Leitung
des Ausschussvorsitzenden Michael Schmidt intensiv um mehr über dieses wichtige
Thema zu erfahren und Lösungsansätze zu diskutieren.



Bürgermeister Rouven Kötter
formulierte anschließend einen Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise, der von
allen Ausschussmitgliedern mitgetragen wurde: Der Gemeindevorstand wird
zusammen mit der  Verwaltung und den eingebundenen Fachleuten unverzüglich eine
Vorlage erarbeiten, die erneut in den Bauausschuss gehen soll. Darin sollen
drei Punkte ausgearbeitet und näher beleuchtet werden. Erstens soll geklärt
werden, welche Möglichkeiten es gibt, den See vom Zufluss durch die Kläranlage
zu befreien und was dies kostet. Zweitens sollen Möglichkeiten der
Restaurierung gesammelt und ebenfalls mit Kosten unterlegt werden. Hierbei geht
es insbesondere um Frischwasserzufuhr und Sauerstoffanreicherung. Als dritter
Punkt soll die Zeit genutzt werden,  Fördermöglichkeiten für die zu erwartenden
Kosten zu prüfen, bspw. im Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie. Auch
Kooperationsmöglichkeiten und finanzielle Beteiligungsmodelle mit dem
Angelsportverein sollen in dieser Zeit verhandelt werden.



„Wir sind uns einig, dass wir zügig
aber wohl durchdacht handeln müssen. Am Anfang eines solchen Prozesses sollte
immer eine Bestandsaufnahme stehen. Diese liegt nun vor und wurde intensiv
beraten. Darauf aufbauend gilt es nun, Lösungsmöglichkeiten zu sammeln, zu
prüfen und die finanziellen Auswirkungen zu beleuchten. Anschließend wollen wir
zeitnah gemeinsam mit den Fachleuten und Betroffenen beraten und danach im
Parlament eine Entscheidung über die durchzuführenden Schritte treffen. Wenn
wir nicht entschlossen handeln, dann wird ‚Treffpunkt See‘ 2014 vielleicht
letztmalig stattfinden. Wer will schon an einem stinkenden Gewässer feiern, auf
dem tote Fische treiben?“ so Bürgermeister Kötters drastisch formuliertes
Fazit.


 



 
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