Mit Dreschflegeln, Mistgabeln, Sensen und Knüppeln

12.12.2013

Man ritt und kartätschte die Södeler nieder und richtete ein Blutbad an. Zahlreiche Schwerverwundete durch Schüsse und Säbelhiebe und eingeschlagene Schädel durch Gewehrkolben sowie Tote hatten die Södeler am 1. Oktober 1830 zu beklagen. Das Blutbad von Södel war der grausame Höhepunkt eines Krieges gegen die Obrigkeit. Besonders tragisch war, dass die Södeler die Aufständischen vertrieben hatten und dann von den Reitern des Großherzoges für ebensolche gehalten wurden.
Eine Hinweistafel soll nun an die schrecklichen Taten erinnern. Sie wurde von den Mitgliedern der Dorfgemeinschaft Sodila gemeinsam mit Bürgermeister Rouven Kötter und dem ersten Beigeordneten Manfred Sauer montiert. Die Tafel hängt nun an der Fassade der Ratsschänke Sodila, einem Gebäude, dass zumindest teilweise die Ausschreitungen mit erlebt haben könnte.
Doch dies ist nicht der einzige Hinweis auf das Blutbad von Södel. Im Neubaugebiet wurde eine Straße nach „Caspar Bender“ benannt. Die Södeler stellten sich den Aufständigen mit Dreschflegeln, Mistgabeln, Sensen und anderem Gerät entgegen. Mit den Schüssen des Försters gelang es ihnen die Aufständigen zu vertreiben. Unterförster Caspar Bender wurde irrtümlich als Aufrührer mishandelt und getötet.
Nach getaner Arbeit stießen Manfred Wehner, Bürgermeister Kötter, Bernhard Reitz, Lothar Reitz, Karl-Ernst Pulkert, Manfred Sauer, Jürgen Reeb und Manfred Hochstein mit einem vom Wirt der Ratsschänke gesponserten Glas Glühwein auf das vollbrachte Werk, das an die grausamen Taten erinnern soll, an.

 




Zur Geschichte
Ursache von Protesten im Großherzogtum Hessen war die Lage, in der sich die Landbevölkerung damals befand. Wegen der hohen Steuern, raschen Bevölkerungswachstums und Missernten hatten die Bauern erhebliche Probleme, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. So kam es zu Aufständen gegen Adel und Obrigkeit. Herrschaftliche Steuerprivilegien und Polizeiwillkür gegen demokratische und nationale Bewegungen wie die bäuerliche Verelendung in Oberhessen schürten den Zorn. Auch in der Wetterau kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die in Södel am 1. Oktober 1830 ihren blutigen Höhepunkt gefunden hatten und Eingang in die 1834 gedruckte Flugschrift "Der Hessische Landbote“ von Georg Büchner und Ludwig Weidig fand.
Rund 2000 verarmte Bauern und mittellose Landarbeiter, Mägde und Knechte von Hanau kommend über Büdingen in die Wetterau, plünderten adelige Güter aus, brannten deren Anwesen wie Zollhäuser, Ämter und Polizeistationen nieder, vernichteten Akten und Grundbücher. Büdingen fiel in die Hände der Aufständischen, die sich das "Schwarze Corps“ nannten. Die überraschte Obrigkeit konnte dieser Revolte zunächst nichts entgegensetzen. Man nannte diesen Aufstand auch "Kartoffelkrieg“.
Ein Teil dieser wild zusammengewürfelten Bauernarmee zog in den Vogelsberg, verwüstete dort die Ortschaften Ortenberg und Nidda, andere zogen weiter in die Wetterau, nach Bingenheim und Bisses sowie nach Södel und Melbach. In Södel waren die Aufständischen, die sich bei ihrem Zug in die Wetterau auch an den Schnapsbeständen kräftig bereichert hatten, jedoch nicht besonders willkommen. Die Södeler waren eher ihrer Obrigkeit treu ergeben. Man stellte sich ihnen mutig entgegen und versuchte den brandschatzenden und marodierenden Bauern Einhalt zu gebieten. Es kam zu heftigen, blutigen Auseinandersetzungen, die die Södeler jedoch für sich entschieden und die Aufständischen mit Dreschflegeln, Mistgabeln, Sensen und Knüppeln sowie Gewehrsalven des Försters vertrieben hatten.
Doch die Freude über diesen Sieg war nur von kurzer Dauer. Von Butzbach heraus preschte ein Trupp Reitersoldaten des Großherzoges heran. Ein Offizier befahl die Verhaftung eines anwesenden Soldaten in Uniform, weil er glaubte, dieser sei desertiert. Auch weitere Personen wurden ohne ersichtlichen Grund als Verdächtige verhaftet. Dies löste Unmut unter der Bevölkerung aus. Ein Verdächtiger wurde an den Dorfrand geschleppt, von den Soldaten zusammengeschlagen und es wurde auf ihn geschossen, woran er einige Tage später verstarb. Die von den Soldaten abgefeuerten Schüsse führten dazu, dass die Kavallerie an ein Gefecht glaubte und angriff. Die Bewohner flohen und die Reiter setzten ihnen nach. Sahen die Södeler anfangs in den großherzoglichen Reitern ihre Retter, so wurden sie kurzerhand nun selbst Opfer der Tyrannei und obrigkeitsstaatlicher Willkür.
Zahlreiche Schwerverwundete durch Schüsse und Säbelhiebe und eingeschlagene Schädel durch Gewehrkolben sowie Tote hatten die Södeler nunmehr zu beklagen. Die Reiterei des Großherzoges wurde indessen nie für ihre Gräueltaten belangt. Auf eine Entschädigung des Landes Hessen warten die Södeler noch heute ;-)

 
 
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