Eindeutige Entscheidung zur Verbesserung der Wasserqualität

05.11.2020

Zu Beginn der Woche tagte die Wölfersheimer Gemeindevertretung. Auf der Tagesordnung standen zahlreiche zukunftsweisende Entscheidungen. Am meisten Aufmerksamkeit erregte jedoch sicher die Beratung zur Zukunft der Wölfersheimer Kläranlage und die Verbesserung der Wasserqualität des Wölfersheimer Sees. In den nächsten Jahren werden Investitionen in Millionenhöhe anstehen. Mit ihrem einstimmigen Beschluss schufen die Parlamentarier die Grundlage für die weiteren Planungen und brachten bereits Investitionen von mehr als 2 Millionen Euro auf den Weg. Bis es zu dieser Entscheidung kommen konnte, wurde lange und umfangreich beraten.

 

Während früher das Kühlwasser des Kraftwerkes für Umwälzung und Belüftung sorgte, ist heute der einzig nennenswerte Zulauf das geklärte Wasser der Wölfersheimer Kläranlage. Bei Starkregenereignissen fließt gelegentlich auch stark verdünntes ungeklärtes Abwasser in den See. Die regelmäßig von der Überwachungsbehörde überprüften Messwerte des geklärten Abwassers liegen stets innerhalb der erlaubten Parameter. Trotzdem stellt das geklärte Wasser als Zufluss für den Wölfersheimer See eine Belastung dar. Diplom Biologe Kramer stellt in seinem ausführlichen Gutachten fest, dass es besser wäre, überhaupt keinen Zufluss zu haben, als diesen. Daher ist es für die Qualität des Wassers im Wölfersheimer See unabdingbar, das geklärte Abwasser vom See fernzuhalten. Während das Abwasser von Wohnbach und Berstadt zur Kläranlage in Utphe und das Abwasser von Melbach zur Kläranlage in Florstadt gepumpt wird, landet in der gemeindeeigenen Anlage das Abwasser der Ortsteile Wölfersheim und Södel. Die Wölfersheimer Kläranlage wurde Ende der 1960er Jahre gebaut und Ende der 1980er Jahre umfangreich erweitert und modernisiert. Seither wird regelmäßig in die Instandhaltung investiert. Aufgrund der gestiegenen wasserbehördlichen Anforderungen und des Alters der Anlage stehen in den kommenden Jahren umfangreiche Modernisierungen an. Es stellt sich zunächst die Frage, ob es sinnvoll ist, die Kläranlage zu modernisieren oder ob es anlagentechnisch und wirtschaftlich sinnvoller wäre, die Anlage zu schließen und das Abwasser in der modernen und deutlich größeren Verbandskläranlage in Utphe reinigen zu lassen. In beiden Fällen müssen ein Regenüberlaufbecken und ein Feststoffrückhalt errichtet werden.

 


Intensive Beratung in Ausschusssitzung
In der vergangenen Woche fand eine gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Landwirtschaft und Umwelt und des Haupt und Finanzausschusses in der Wetterauhalle statt. Über fünf Stunden lang präsentierten Fachleute Informationen zu den vorliegenden Gutachten. Die Parlamenatarier nutzten die Möglichkeit Fragen zu stellen. Wie der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses Stefan Bodem mitteilt, wurden insgesamt rund 150 Fragen gestellt. Nach Bodems Begrüßung und einer Einleitung von Bürgermeister Eike See berichtete der Rockenberger Bürgermeister Manfred Wetz über die Erfahrungen eines vergleichbaren Projektes. Rockenberg lässt seine Abwässer bereits seit einiger Zeit von einer Kläranlage in Butzbach reinigen. Anschließend berichtete Diplom Biologe Ingo Kramer über die zum See und seiner Wasserqualität angefertigten Gutachten. Dabei wurde klar, dass die in den 60er Jahren gebaute Kläranlage das größte Problem des Sees ist. Die einzig wirkungsvolle Möglichkeit bestehe darin, künftig kein gereinigtes Abwasser mehr in den See zu leiten. Die Parlamentarier hatten sich umfangreich mit den Gutachten auseinander gesetzt und gingen bei ihren Fragen sehr ins Detail. Dies war auch bei Thomas Hanfler vom Büro DAR der Fall, der erstmalig in einer Gremiensitzung der Gemeinde per Video zugeschaltet war. Hanfler hat die Technik der Kläranlage untersucht und die Kosten für eine Sanierung der bestehenden Anlage ermittelt. In einer ausführlichen Fragerunde bezogen auch die weiteren geladenen Experten Stellung und gingen auf Gutachten ein. Die Reinigung und Einleitung des Abwassers wird vom Regierungspräsidium überwacht. Gerd Hofmann vom Regierungspräsidium Darmstadt und Daniela Hildebrand vom Regierungspräsidium Gießen machten deutlich, dass eine einfache Umleitung des Abwassers in den Biedrichsgraben nicht genehmigungsfähig sei, da dieser zu wenig Wasser führe. Martin Eismann von der unteren Wasserbehörde des Wetteraukreises konnte Fragen zur Einleitung der Abwässer aus einem Regenüberlauf beantworten. Dr. Ulrike Schulte-Oehlmann von der Gruppe NiddaMan hatte die erstellten Gutachten überprüft und untermauerte mit ihrem Fachwissen die Einschätzung der übrigen Experten. Seitens des Abwasserverbandes war Herr Ringshausen anwesend und bestätigte, dass eine Reinigung der Abwässer in der Kläranlage in Utphe möglich ist. Herr Gönnheimer und Herr Kaiser vom Büro Schüllermann gingen auf die zu erstellenden finanziellen Gutachten ein, die Grundlage für die weiteren Entscheidungen der Parlamentarier sein sollen. Durch die Gutachten soll geklärt werden, wie sich die Kosten auf die Abwassergebühren auswirken würden.

 


1,85 Millionen für Regenüberlaufbecken
In der Sitzung der Gemeindevertretung wurde über die einzelnen Punkte der zehn Seiten umfassenden Beschlussvorlage, die durch hunderte Seiten an Gutachten ergänzt wird, beschlossen. Um den Wölfersheimer See bei Starkregenereignissen besser zu schützen, wird ein neues Regenüberlaufbecken errichtet und mit einem Feststoffrückhalt ausgestattet. Ein solches Becken dient als Puffer. Wassermassen, die bei einem Starkregen auftreten, werden darin zwischengespeichert und nach und nach verarbeitet. Ein solches Becken kann jedoch auch nur eine begrenzte Menge Wasser speichern. Daher wird es mit einem Feststoffrückhalt ausgegstattet. Mit diesem Feststoffrückhalt sollen nicht klärbare Feststoffe, wie zum Beispiel Feuchttücher, aufgefangen werden. Die Parlamentarier sprachen sich einstimmig dafür aus hierfür 1,85 Millionen Euro zu investieren.

 


Unverzügliche Gewässertherapie und weitere Untersuchungen
Im Sommer hat der See unter 3 Metern Wassertiefe bis zum Grund in 18 m Tiefe keinen Sauerstoff mehr. Er ist dort ökologisch tot. Durch das Fehlen des Sauerstoffs am Seegrund kann sich der dort abgesetzte Phosphor wieder in das Wasser zurück lösen. Der See düngt sich dadurch intern immer weiter. Die in dem See lebenden Fische haben nur einen schmalen Lebensraum zur Verfügung. Sie können nur zwischen der Wasseroberfläche und 3 Metern Tiefe leben. Ein ökologischer Kollaps kann jederzeit stattfinden. Besonders gefährlich ist es, wenn sich die Wasserschichten miteinander vermischen. Dadurch würde der Sauerstoffgehalt der oberen Wasserschichten noch weiter sinken und es käme zu einem Fischsterben. Möglich wäre dies zum Beispiel bei einem starken Hagel im Sommer. Um die Wasserschichten (thermische Schichtung) zu erhalten soll eine Tiefenbelüftung durchgeführt werden. Dabei wird das Tiefenwasser künstlich mit Sauerstoff angereichert. Sobald Sauerstoff bis an den Seegrund gelangt, kommt die schädliche Rücklösung des Phosphors zum Erliegen, der See düngt sich nicht mehr intern selbst. Die Gemeindevertreter beschlossen einstimmig unverzüglich mit einer solchen Gewässertherapie zu starten und dafür etwa 350.000 Euro zu investieren. Das Büro Fluvalis soll beauftragt werden, die technische und bauliche Umsetzung mit den zuständigen Wasserbehörden und dem Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUNG) zu begleiten. Nach der Inbetriebnahme der Tiefenwasserbelüftung und den ersten messbaren Erfolgen dieser Maßnahme muss der im See in hohen Konzentrationen vorhandene Phosphor verringert werden. Die Tiefenbelüftungsanlagen sollen so ausgestattet werden, dass Eisensalz in den unteren Wasserschichten eingebracht werden kann. Dieses Salz kommt auch in der Natur so vor. Der im Wasser gelöste Phosphor bildet mit dem Eisensalz eine Verbindung, flockt aus und sinkt zu Boden. Phosphor wird somit ausgefällt und ist im See nicht mehr biologisch verfügbar. Im gesamten Seewasser kann somit die Konzentration an gelöstem Phosphat verringert werden. Dadurch wird die derzeit übermäßig hohe Produktion (das Algenwachstum) im durchlichteten Bereich reduziert. Das Tageslicht kann tiefer eindringen und im durchlichteten Bereich wird Sauerstoff produziert. Weiterhin bildet sich weniger Biomasse, die beim Absinken unter Verbrauch von Sauerstoff mikrobiell abgebaut wird. Dadurch wird die Sauerstoffzehrung in den tiefen Bereichen verringert. Um die Wasserwerte weiter im Blick zu behalten, wurde beschlossen, weiter Beprobungen und Untersuchungen durchzuführen.
Kosten genauer untersuchen
Noch nicht abschließend geklärt wurde die Frage ob die Wölfersheimer Kläranlage weiter betrieben werden und umfassend saniert werden soll, oder ob die Abwässer in die Kläranlage nach Utphe gepumpt werden sollen. Die Parlamentarier sprachen sich hierbei fraktionsübergreifend dafür aus, ein finanzielles Gutachten in Auftrag zu geben. Dabei soll sowohl die Gebührenentwicklung für die Bürgerinnen und Bürger als auch die reine liquide Situation betrachtet werden. „Die Sachlage ist eindeutig: Wenn wir dem See helfen wollen, dann dürfen wir künftig keine Abwässer mehr einleiten. Es ist aber wichtig, dass wir genau wissen, welche finanziellen Auswirkungen das hat. Dabei gilt es, die verschiedensten Faktoren zu berücksichtigen und es müssen Fachleute zum Einsatz kommen.“ so Bürgermeister Eike See. Als Beispiel hierfür nennt er die möglicherweise unterschiedliche Nutzungsdauer. Wenn sich die notwendige Investition von mehr als 3 Millionen Euro auf einen längeren Zeitraum verteilt, dann kann eine höhere Investition für die Bürgerinnen und Bürger finanziell günstiger sein. „Ich rechne damit, dass die Gutachten zeitnah vorliegen und die Mitglieder der Gemeindevertretung alle Informationen haben, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.“ so Bürgermeister See. Um die Abwässer künftig in Utphe reinigen zu lassen, müssten insgesamt etwa 3,6 Millionen Euro investiert werden. Wie hoch die Kosten für eine Sanierung der Wölfersheimer Kläranlage sind, lässt sich noch nicht genau beziffern. Im Rahmen der Sanierung kann es zum Beispiel zu Schäden an den Betonbecken kommen. Die Schätzungen der Experten liegen zwischen 3,5 und 6 Millionen Euro. „Es wurde beschlossen 1,85 Millionen Euro in den Bau eines Regenüberlaufbeckens und etwa 350.000 Euro in eine Gewässertherapie zu investieren. Um diese Entscheidungen herbeizuführen, wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, viele Experten haben sich mit der Thematik beschäftigt und die Parlamentarier haben sich fachlich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt. Ich bin mir sicher, dass auch in Bezug auf die Kläranlage zeitnah eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen wird.“ schließt Bürgermeister Eike See ab.
 


 
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