Bäume im Rentenalter

03.09.2020

Es ist ein regnerischer Montag. Mehrere Männer laufen in Gummistiefeln und Regenjacken über die weitläufigen Streuobstwiesen auf dem Singberg und schauen sich Baum für Baum genauer an. Sie sind im Auftrag der Gemeinde unterwegs, um den Streuobstbestand im Detail zu erfassen und die vorhandenen Sorten zu bestimmen und in einem Streuobstkataster zu erfassen. Hört man Pomologe Werner Nussbaum zu, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mehrere hunderte Bäume hat er mit seinem Team bereits begutachtet, als er sich zu einem kurzen Zwischengespräch mit Bürgermeister Eike See und Klimaschutzmanager Markus Michel traf.

 

Obwohl die Streuobstwiesen zu den artenreichsten Biotopen in ganz Mitteleuropa zählen, sind sie bedroht. Bereits seit einiger Zeit gibt es ein Streuobstkonzept, an dessen Umsetzung die Gemeinde Stück für Stück arbeitet. Eine Grundlage für das weitere Handeln soll ein Streuobstkataster bieten. In ihm soll erfasst werden, welche Bäume an welcher Stelle gepflanzt werden. Auch der Pflegezustand und das geschätze Alter der Bäume werden darin erfasst. „Viele der Bäume sind mehr als 80 Jahre alt.“ berichtet Nussbaum. Bedenkt man, dass ein Apfelbaum etwa 80 bis 100 Jahre alt werden kann, dann wird schnell klar, wie wichtig es ist, Neuanpflanzungen durchzuführen. Auf dem Singberg hat Nussbaum mit seinem Team eine Vielzahl von Sorten gefunden. Die Bandbreite reicht vom Wildling (durch Saat vermehrter Apfel) bis zu seltenen Sorten aus Dänemark. Nussbaum schwärmt von der Geschmacksvielfalt. „Ich bin ein Liebhaber alter Obstsorten, weil es mir wichtig ist, Obst zu essen, das noch eine Geschmacksvielfalt hat. Es ist mir aber genauso wichtig, die alten Sorten zu erhalten. Denn mir macht es Spaß, die Sorten aufzufinden und sie für meine Nachfahren zu erhalten. Denn sie sind nicht nur ein Stück Kulturgut, sondern auch ein wichtiges Potential an Genen, was erhalten werden muss.“ so Nussbaum, der als gelernter Gärtner einer von nur wenigen Pomologen in Hessen und Landessprecher des deutschen Pomologen-Vereins ist. Dementsprechend lang war auch die Wartezeit, bis es zur Sortenbestimmung in Wölfersheim kommen konnte. Mit in seinem Team sind verschiedene Experten für Obstbäume, die teilweise weite Wege in Kauf genommen haben. So reiste zum Beispiel extra ein Experte für Birnen aus Süddeutschland an.
Neben den Flächen der Gemeinde profitieren auch Privatpersonen vom Streuobstkataster, denn nach Möglichkeit soll der gesamte Bestand erfasst werden. Bis er zugänglich gemacht werden kann, wird jedoch noch etwas Zeit vergehen. Die Daten werden derzeit erfasst und sollen im Nachgang in einer Datenbank erfasst werden. „Wir werden die Daten den Grundstückseigentümern kostenfrei zur Verfügung stellen. Sie dienen für die Grundstücke der Gemeinde auch zur Planung von Neuanpflanzungen, um eine große Sortenvielfalt zu erhalten. Wir hoffen, damit auch Privatpersonen anzusprechen und so den Fortbestand des Biotops Streuobstwiese zu sichern.“ so Bürgermeister See. Im Rahmen der Aktion „10.000 Bäume für 10.000 Wölfersheimer“ sollen Sammelbestellungen durchgeführt und Anpflanzungen bezuschusst werden.
Neben der Erfassung möchte Nussbaum auch Pflanzempfehlungen abgeben, um die Artenvielfalt aufrechtzuerhalten. So berichtet er, dass im Handel heute meist nur wenige Sorten erhältlich sind, die zwar schöne aber wenig geschmackvolle Früchte liefern.  Um besondere historische und seltene Sorten zu würdigen, wurde an einigen Bäumen eine Plakette angebracht.

 



 
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