Mangelnde Entsorgungsmoral belastet alle Bürger

22.01.2020

Kunststoffe im Bioabfall bereiten dem Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau Probleme, herkömmliches Plastik genauso wie die kompostierbaren Plastiktüten. Alle müssen aufwendig aussortiert werden. Dadurch entstehen Kosten, die die Gebühren für den Bioabfall in die Höhe treiben. So konnte der Bioabfall aus der Gemeinde vor einigen Tagen nicht kompostiert werden und musste aufwendiger und somit teurer als Bioabfall entsorgt werden.

 

Es gibt Verkaufsschalen für Fleisch, Trinkbecher und Abfallbeutel, die aus biologisch abbaubaren Kunststoffen hergestellt werden. Die kompostierbaren Plastiktüten werden gerne verwendet, weil sie praktisch sind und die Biotonne sauber bleibt. Die Verbraucher wähnen sich auf der biologischen Seite, weil die Bio-Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais und Weizen hergestellt werden. Der Kauf ist verlockend, für den Abfallwirtschaftsbetrieb des  Wetteraukreises (AWB) sind die kompostierbaren Plastiktüten  in der Biotonne aber genauso unerwünscht wie herkömmliche Plastiktüten. Sie werden beim Kompostieren im Humus- und Erdenwerk aussortiert.  
Die Biobeutel sind optisch kaum von anderen Plastiktüten zu unterscheiden. Sie werden als Störstoffe vollautomatisch aussortiert und werden anschließend in einer Verbrennungsanlage thermisch verwertet. Die Bio-Kunststoffe haben noch einen wesentlichen Nachteil: Der Zersetzungsprozess währt zu lange.  „In unserer Anlage ist die Verweildauer des Komposts nur zehn Wochen. Bis dahin sind die Bio-Kunststoffe nicht sicher abgebaut.“ sagt AWB-Geschäftsführer Dr. Jürgen Roth.
Auch herkömmliche Kunststoffe landen immer wieder im Bioabfall: Plastik-Einkaufstüten werden als Tüten für den Bioabfall verwendet, verschimmeltes Toastbrot wird mitsamt Plastikbeutel in die Biotonne geworfen, verdorbene Wurst mit der Plastikfolie, Joghurt mitsamt Becher... Um die herkömmlichen wie die Bio-Kunststoffe auszusortieren, muss der Bioabfall und später der Kompost zweimal durch ein engmaschiges Sieb wandern, jede Masche nur zwölf Millimeter groß. Dadurch wird auch wertvoller Kompost ausgesiebt, der mit den Kunststoffen teuer als Restmüll entsorgt werden muss. Die Zusatzkosten sind vermeidbar. Wer Kunststoffe in die Biotonne wirft, treibt damit die Verarbeitungskosten in die Höhe. Ist der Anteil an Kunststoffen zu hoch, kann der Abfall in der Anlage nicht verarbeitet werden. So geschehen beim Bioabfall, der in dieser Woche beim Abfallwirtschaftsbetrieb angeliefert wurde. "Wir versuchen, die Gebühren und Abgaben so gering wie möglich zu halten. Auf solche Faktoren haben wir natürlich keinen Einfluss. Wer seinen Bioabfall nicht ordentlich trennt, belastet alle anderen Bürgerinnen und Bürger und zudem unsere Umwelt." appelliert Bürgermeister Eike See.  
Wer seine Biotonne sauber halten möchte, der kann Speisereste und anderen biologischen Abfall problemlos in Zeitungspapier verpacken oder die Papiertüten verwenden, die speziell dafür im Handel angeboten werden. Papier stört bei der Verarbeitung zu Kompost nicht, weil es sich schnell zersetzt.
In den nächsten Monaten wird der Wölfersheimer Bioabfall stärker als üblich kontrolliert. Bei zu viel Plastikabfall in der Tonne, wird diese nicht mitgenommen.

 


 
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